Die FEEL-Methode – Grenzen erfahren

Wenn Du ‚die FEEL-Methode – Grenzen erfahren‘ liest und noch nicht die Beiträge Die FEEL-Methode und Die FEEL-Methode – Grenzen finden gelesen haben solltest, empfehle ich Dir, diese beiden Beiträge zuerst zu lesen.

Was heisst nun ‚Grenzen erfahren‘ ganz konkret für Dich?

Der einfache Fall sind die Grenzen, die Du selbst schon erfahren hast und die trotzdem oder deswegen weiter Dein Leben beeinflussen. Bei diesen Grenzen fängt ‚Grenzen erfahren‘ damit an, dass Du Deine Erfahrungen reflektierst. Du stellst Dir die Frage, warum diese Grenzen noch immer und / oder weiterhin Dein Leben beeinflussen (ggf. sollen / dürfen).

Hierbei ist es wichtig, dass Du Dir hierfür beim Reflektieren die richtigen Fragen stellst. Ich empfehle Dir hierbei, diese Fragen zunächst nach dem Muster „Was ist? – Was tut? – Was nutzt?“ zu stellen.

Mit „Was ist?“ fragst Du Dich, was genau die Grenze für Dich darstellt, je genauer umso besser. Hinterfrage Deine Antworten auch. Wenn Deine Antwort ein ‚man‘, ’niemand‘, ‚keiner‘, ’noch nie‘, ‚kann nicht‘ oder ‚geht nicht‘ enthält, frage nach. Wer ist man, niemand oder keiner? Warum gilt noch nie oder kann bzw. geht nicht?

Es ist wichtig, dass du für Dich feststellst und ERFÄHRST, wie sich die konkrete Grenze für Dich darstellt und auf Dich auswirkt. Dafür stellst Du die Frage „Was tut?“ Hierbei erhältst Du wiederum umso bessere Antworten, je genauer Du das „Was tut?“ definierst.

Erst wenn Du die Wirkungen einer konkreten Grenze auf Dich erfahren hast und Dir dieser bewusst bist, kannst Du den Nutzen oder Schaden dieser Grenze für Dich beschreiben und erkennen. Denn die Wirkung stellt sich als Nutzen, Schaden oder ganz allgemein Konsequenz für Dich dar und ist somit Deine Antwort auf die Frage „Was nutzt?“.

Ein Beispiel:

Du musst für Deinen Job regelmäßig Konferenzen besuchen und Du weisst, dass ein wichtiger Teil solcher Konferenzen das Netzwerken ist. Nichtsdestotrotz findest Du immer Wege, das Netzwerken sehr reduziert oder gar nicht zu betreiben.

Jetzt könntest Du auf die Idee kommen, dass Deine Grenze das Netzwerken ist und Du zu Dir sagst: „Ich kann nicht Netzwerken.“ Doch das greift in den allermeisten Fällen zu kurz. Warum ‚kannst Du nicht‘? Diese Frage wird Dich zu der Ursache Deines ‚kann nicht‘ führen.

Wenn Du jetzt weiter suchst, kommst Du vielleicht auf die Idee, dass Du Smalltalk nicht kannst und deshalb meinst, Gespräche gar nicht erst eröffnen zu können. Meinst Du, Du bist jetzt zur Wirkung gelangt? Natürlich nicht.

Warum kannst Du Smalltalk nicht? Du wirst jetzt vielleicht merken, dass Du Dich eigentlich gern und gut mit Menschen unterhalten kannst – wenn die Menschen auf Dich zukommen. Wir kommen Deiner Grenze näher.

An dieser Stelle merkst Du vielleicht, dass Du Dich nicht traust, Gespräche aus eigener Initiative zu eröffnen und hierfür auf Menschen zuzugehen. Deine Grenze im vorliegenden Beispiel ist also weder das Netzwerken noch der dazu notwendige Smalltalk, sondern die Bereitschaft aus eigener Initiative auf Dir unbekannte Menschen zuzugehen. Das „Was tut“ dieser Grenze ist, dass die Grenze Dich davon abhält von Dir aus auf andere Menschen zuzugehen.

Du hast jetzt also erfahren, dass Deine Grenze Dich davon abhält, auf andere Menschen von Dir aus zuzugehen. Jetzt ist es leicht für Dich, die Wirkung dieser Grenze auf Dich zu beschreiben und das „Was nutzt“ zu beantworten. Diese Grenze begrenzt Dein Netzwerken auf die Menschen, die – warum auch immer – direkt auf Dich zukommen. Diese Grenze trennt Dich von allen anderen Menschen, die das nicht tun, unter anderem den Menschen, die so ähnlich sind wie Du.

Der schwerere Fall sind Grenzen, derer Du Dir nicht bewusst bist. „Was ist? – Was tut? – Was nutzt?“ scheitert in diesem Fall schon am ersten Schritt. Bei diesen Grenzen geht die Frage „Was ist?“ ins Leere.

Grenzen, die Dir nicht bewusst sind, findest Du nur dadurch, dass Du zunächst Deine Ziele definierst. In dem Augenblick, wo Du Deine Ziele definiert hast, erkennst Du viel leichter, was Dich noch von deren Erreichung abhält.

Wenn Du auf diese Weise Deine Dir zunächst unbewussten Grenzen erkannt hast, ist die Betrachtungsweise und Analyse dieser Grenzen identisch mit der Betrachtungsweise bei den bekannten Grenzen, denn nun kannst Du auch diese Grenzen bewusst erfahren.

Bitte verfalle nicht dem Irrglauben „Grenze gefunden – Problem gelöst“. Die FEEL-Methode ist ein nie endender Regelkreis, bis Du vollkommen eins mit Dir bist, was vielen Menschen nie gelingt. Insofern ist die Anwendung von FEEL ein lebenslanger Prozess – lifelong learning.

Diese bewusste Erfahrung Deiner Grenzen ist die Basis für die nächsten Schritte im Umgang mit Deinen Grenzen, dem Entfernen und dem daran anschließenden Loslassen. Dies bespreche ich in weiteren Beiträgen.

Wie geht es Dir? Hast Du Deine Grenzen gefunden? Suchst Du noch? Schreibe es mir bitte in den Kommentaren. Passend zu diesem Beitrag:

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