Reisen ist der Weg zum Glück

„Reisen ist der Weg zum Glück“ hat meine Großmutter immer gesagt. Ich habe dies schon als Kind verstanden und war immer begeistert, wenn meine Eltern mit mir wohin auch immer gefahren sind. Erst als ich 10 Jahre alt war kauften meine Eltern ein Auto, bis dahin verreisten wir immer mit der Eisenbahn.

Meine Eltern waren nicht reich, aber sie zeigten mir die Welt, die wir seinerzeit erreichen konnten. Und ich fand es immer toll auf den Bahnhof zu gehen, das war der Flughafen in meiner kleinen Welt der 60er Jahre. Damals gab es noch Bahnsteigkarten, was heute niemand mehr kennt, auch wenn es sie in Hamburg beim HVV heute noch gibt. Man durfte nur auf den Bahnsteig, wenn man eine Bahnsteigkarte für 20 Pfennig gekauft hatte. Für mich war es immer ein Festtag, wenn meine Eltern mir eine Bahnsteigkarte kauften, was nicht immer passierte, weil meine Eltern sparsam waren.

Ich liebte die Eisenbahn. Die alten Dampfloks, die es damals noch gab. Die V200, die modernste Diesellok seinerzeit und die Waggons im Nahverkehr, die an den Enden freie Plattformen hatten. Ich las Kursbücher (Fahrpläne) und wusste ziemlich gut wie man von A nach B kam und wie lange dies dauerte.

Die Eisenbahn war für mich das Versprechen von Freiheit und Abenteuer und meine Eltern zeigten mir auf diese Weise Deutschland. Von der Ostsee bis zum Starnberger See, von Helmstedt bis Heiligenhaus. Als ich 10 war, hatte ich schon viel von Deutschland gesehen und viele Kirchen und Museen besucht, die immer auch das Ziel meiner Eltern waren. Ich fand jede Reise spannend und freute mich immer darauf noch mehr zu sehen und noch mehr (kennen) zu lernen.

Das änderte sich dann, als meine Eltern ein Auto gekauft hatten, einen hellblauen Ford 12M, den ich dann auch so liebte wie die Eisenbahn. Denn nun fuhren wir all die Städte und Landschaften Deutschlands ab, von denen mein Vater meinte, dass man sie gesehen haben sollte. Und der Radius erweiterte sich um Österreich, die Schweiz und Norditalien. Ich bin meinen Eltern bis heute noch dankbar, dass sie mir alles von der Welt gezeigt haben, was ihnen möglich war und sie in mir den Funken des Reisens angezündet haben. Er ist bis heute nicht erloschen. Mir begegnet sehr selten jemand, der Deutschland besser kennt als ich.

Als Jugendlicher habe ich dann mit Hilfe von Interrail, einer monatlichen Bahnkarte für Jugendliche, Europa entdeckt. England, Irland, Holland, Belgien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Österreich, die Tschechoslowakei, die Schweiz und Italien erkundete ich allein und mit Freunden jeden Sommer in meiner Jugend. Ich hatte ab meinem 14. Lebensjahr immer ausreichend Geld, aber es kam mir nie in den Sinn etwas anderes als Jugendherbergen zu nutzen, da ich so mit meinen Freunden zusammen war und viele andere junge Leute kennenlernen konnte, die auch reisten.

Das Reisevirus hat mich bis heute befallen und ich liebe es nach wie vor, die Welt zu entdecken. Ich durfte viele Länder besuchen und habe mich dabei in Amerika verliebt – von Kanada bis Chile, von Baja California bis Feuerland.

Warum erzähle ich Dir das?

Weil Reisen glücklich macht und bildet. Reisen bildet vor allem Dein Herz und schafft Dir Zugang zu Deinen Gefühlen. Reisen zeigt Dir die Polarität es Lebens, ganz egal ob Du nah oder weit verreist. Nah siehst Du in Hamburg die Polarität von Reeperbahn und Elbchaussee, in München den Spagat vom Bahnhofsviertel nach Grünwald. Und fern erlebst Du in New York die Polarität von Obdachlosigkeit und überbordendem Reichtum, in Brasilien die Polarität von überbordender Natur und hemmungsloser Umweltverschmutzung und in China die Polarität von traditionellem Leben und Spiritualität vor der Kulisse grenzenlosen Wachstums.

All das Schöne und Schlechte auf der Welt, das ich sehen durfte, hat meine Wahrnehmung geschärft. Ich habe in Mexico City mit tollen Menschen feiern dürfen, während direkt neben uns ein Mensch erschossen wurde. Ich habe in Asien Kinder gesehen, die fast nichts hatten, aber glücklich mit dem Wenigen spielten, was sie hatten.

Reisen hilft Dir, Deinen Fokus zu schärfen und zu finden. Gut und Böse, Reich und Arm, Dumm und Schlau – alles im Leben ist polar. Und genau diese Polarität des Lebens erkennst Du durch Reisen sehr viel besser und genauer, als wenn Du in Deinem Hamsterrad des Alltags unterwegs bist. Deshalb verlasse Dein Hamsterrad wann immer es geht. Ein Besuch im örtlichen Museum, wo Du noch nie warst, ist auch eine kleine Reise.

Es geht nicht darum, wie weit Du reist. Es geht im Leben darum, das Du reist. Aussteiger, die mit dem Fahrrad durch Deutschland fahren, wissen oft mehr vom Leben als der Erfolgreiche, der im Winter in Kitzbühel Ski fährt, im Sommer in der Sansibar sitzt und zwischendurch in Dubai und New York war.

Reisen hat nichts mit Konsum zu tun. Und auch nur vordergründig mit Freizeit. Dafür hat es aber sehr viel mit Erkenntnis und Selbsterkenntnis zu tun. Beides ist die Basis für echtes Glück und wirkliche Zufriedenheit.

Ich habe gelernt, dass es völlig egal ist, wie Du reist, wohin Du reist und mit wem Du reist. Jede Reise bringt Dir neue Erkenntnisse auf dem Weg zu Dir selbst und baut damit Deinen Glücksspeicher nachhaltig auf. Wichtig ist, dass Du offen und neugierig auf Deine Reisen gehst, dann bringen Dich auch Reisen voran, die Dir eigentlich gar nicht gefallen.

Ich mag beispielsweise Kreuzfahrten nicht besonders. Aber auf Kreuzfahrten lernst Du Menschen oft viel besser kennen als in ihrem Alltag, es ist für mich wie ein überdimensionales Soziogramm. Du siehst entspannte Menschen, Du siehst hektische Menschen. Auf Kreuzfahrten sieht man wunderbar wer reist und wer auf der Suche ist. Reisende kommen auch auf Kreuzfahrten an ein Ziel, Suchende finden es meistens nie – und wissen es oft noch nicht einmal, dass dies so ist. Was wiederum wunderbar die Polarität unseres Lebens zeigt.

Reisen ist ein wichtiger Teil um grenzenlos zu leben. Denn durch Reisen lernst Du mehr Grenzen kennen, als durch jede andere Tätigkeit menschlichen Lebens. Grenzen in der Welt und Grenzen in Dir. Die Grenzen in Dir, die Du durch Reisen entdeckst sind Grenzen, die Dur erfährst und dadurch hinter Dir lassen und vergessen kannst. Reisen öffnet Deinen Kopf. Wenn Du Dich komplett einlässt auch Dein Herz. Versprochen!

Was ist Deine Meinung zum Reisen? Schreibe es mir bitte in den Kommentaren. Wenn Du bis hierher gelesen hast, ist dieser Beitrag sicher auch interessant für Dich:

Gehe Deinen Weg und verstehe andere

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