Angst oder Furcht oder Respekt … oder Glauben

Morgens ist die beste Zeit zum Denken. Ich gehe morgens immer mit meinem Hund Marley spazieren, deshalb das Foto heute. Ich diktiere hierbei immer meinen täglichen Beitrag und höre viele unterschiedliche Podcasts. Dabei ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass deutschsprachige Podcast sich viel häufiger, viel intensiver und teilweise viel abstruser dem Thema Angst beschäftigen, als dies englischsprachige Podcast tun. German Angst, wie es hier in Amerika genannt wird? Deshalb ging mir die Frage ‚Angst oder Furcht oder Respekt … oder Glauben‘ in den letzten Wochen immer wieder durch den Kopf.

Viele Empfehlungen, die in diesen Podcasts gegeben werden, sind nicht falsch. Sie sind nur leider meistens weder umsetzbar noch relevant für jemanden, der unter Angst oder Furcht leidet.

Da wird empfohlen: Du musst durch die Angst gehen! Das ist richtig. Aber wie geht das? Da wird ebenfalls richtig empfohlen, dass man Angst in Respekt umdeuten muss, um sie überwinden zu können. Auch wichtig. Und wie geht das? Und eigentlich immer wird empfohlen, dass man die Angst annehmen muss. Das ist der Startpunkt. Aber, verdammt noch mal, wie geht das denn?

Gestern hörte ich mir einen Podcast an, in dem die Rednerin die Teilnehmer aufforderte, auf die Stühle zu steigen und sich vorzustellen aus einem Flugzeug zu springen, indem sie vom Stuhl hüpfen! Genau so geht es nicht. Wenn Du Angst vor einem Fallschirmsprung hast, wirst du nicht durch diese Angst hindurch gehen, wenn Du einmal in einem Vortrag vom Stuhl gehüpft bist.

Es gibt viele Wege, das erste Mal durch seine Angst hindurch zu gehen – vom Feuerlauf bis zum Fallschirmsprung. Und wer sich dann traute und es geschafft hat, der ist zurecht stolz und glaubt danach Bäume ausreißen zu können.

Doch der Alltag holt viele Menschen nach solchen Erlebnissen sehr schnell zurück in ihre alte Realität. Die Angst kehrt zurück und wenig ändert sich. Warum ist das so?

Die Menschen vergessen gern, dass erfolgreiches Handeln auf Routinen basiert. Wenn du es nicht getan hast, lies hierzu gerne auch den Beitrag Jede Regel ohne Ausnahme!. Wer nun glaubt, nach einem Feuerlauf oder einen Fallschirmsprung besser mit seiner Angst umgehen zu können, wird sehr oft daran scheitern, dass er die Techniken, die ihn zu dieser Handlung gebracht haben, in seinem Alltag nicht lebt. Autosuggestion und Meditation sind zwei wichtige Komponenten, die Menschen helfen können, Angst erfolgreich zu begegnen und Angst in Respekt zu verwandeln, dem sie dann begegnen können.

Gute Trainer und gute Konzepte vergessen aber den allerwichtigsten Teil nicht. Das alles Entscheidende im Umgang mit Angst und Furcht ist, dass man jeden Tag sich neuen Herausforderungen stellt, bei denen man seiner Angst und seiner Furcht begegnet. Dies wird von ‚Action Plan‘ bis ‚Ins Handeln kommen‘ unterschiedlich benannt, es ist aber immer dasselbe. Nur wer aktiv handelt und dem Leben aktiv begegnet, wird vom Leben belohnt werden. Und Handeln nicht nur für eine Woche, einen Monat oder ein Jahr – nein, für immer!

Manch eine(r) sagt mir an dieser Stelle, schön und gut, aber irgendwann habe ich doch keine Angst mehr. Ja, das ist richtig und das ist gut so, denn dann hast Du gelernt, Deine Angst als Respekt wahrzunehmen oder in Respekt zu transformieren. Respekt aber musst Du Dir Dein ganzes Leben erhalten. Respekt vor den Menschen, Respekt vor den Tieren, Respekt vor den Dingen, Respekt vor der Welt – Respekt vor dem Leben.

An dem Punkt, wo Du wirklich keine Angst mehr hast, hast Du – bewusst, aber noch wichtiger unbewusst – den Übergang vom Denken zum Glauben geschafft. Du bist Dir an dieser Stelle bewusst, dass Dich nur eine(r) auf der Welt aufhalten kann – Du selbst! Und an diesem Punkt entscheidest Du Dich immer wieder neu, dass genau dies nicht passiert.

Du glaubst an Dich!

Warum aber nun ist die Umsetzungsquote – selbst bei den besten Coaches und Trainern – oft nur sehr niedrig?

Sehr viele Konzepte machen nicht deutlich, dass der Umgang mit Angst und Furcht nicht ein einmaliger Prozess ist, den man hinter sich lässt, sondern ein Regelkreis. Dinge, die Angst oder Furcht erzeugen, sind alltäglich und gehören zum Leben dazu. Nur wer das versteht, kann ihnen dauerhaft und erfolgreich begegnen.

Das FEEL-Konzept tut dies. Das FEEL-Konzept spricht ganz bewusst nicht von Angst oder Furcht, sondern von Grenzen. Angst und Furcht sind nämlich nichts anderes als Grenzen, die Dich von einem grenzenlosen Leben abhalten. Ein grenzenloses Leben verläuft immer jenseits von Angst und Furcht.

Die meisten Menschen erleben diese Grenzen aber nur diffus, verschwommen und unklar. Das ‚F‘ im FEEL-Prozess gibt dem Anwender das Tool, seine Grenzen zu finden. Ich spreche bewusst nicht von Angst oder Furcht, weil die Wahrnehmung von Angst oder Furcht als Grenze es wesentlich leichter macht, mit dem Sachverhalt umzugehen. Grenzen finden auch andere Konzepte. Doch diese empfehlen dann sehr oft nach der Wahrnehmung der Grenze, direkt ins Handeln zu kommen. Das ist sehr schwer für viele Menschen, denn es entspricht weder ihrer Biografie noch ihrem Denken noch ihren Fähigkeiten.

Menschen neigen dazu, ihr bisheriges Verhalten zu rationalisieren. Sie erklären sich und anderen, warum diese Grenze (Ängste, Sorgen) genauso ist, genau so sein muss, nicht verändert werden kann und zwangsläufig zum Leben dazugehört. Wer dies tut, wird tagtäglich den Beweis antreten, dass er oder sie recht hat.

Genau deshalb ist das erste ‚E‘ im FEEL-Prozess der nächste wichtige und entscheidende Schritt. Die Grenzen, die das Denken und Handeln beschränken, die falsches Handeln auslösen oder die vom Handeln abhalten, müssen erfahren werden. Erfahren ist ein vielschichtiger Prozess und erfordert unterschiedlichste Techniken. Hierauf bin ich schon einmal im Beitrag Die FEEL-Methode – Grenzen erfahren eingegangen. Nur wer sich der Grenze, die er oder sie überschreiten will, bewusst ist, kann dies am Ende auch tun.

Wer seine Grenze erfahren hat, hat mit dem zweiten ‚E‘ des FEEL-Prozesses in den meisten Fällen kein Problem. Es fällt ihm oder ihr mehr oder weniger leicht, die Grenze aus dem eigenen Leben zu entfernen und sie nicht mehr als Grenze wahrzunehmen. Oder mit anderen Worten: Die Angst ist weg. Warum kommt sie dann bei vielen Menschen aber wieder zurück? Auch diesen Punkt vergisst mancher Podcast.

Für viele Menschen ist der schwierigste Teil des FEEL-Prozesses oft das ‚L‘ – Loslassen. Wer nicht loslässt, ist in den meisten Fällen nicht in der Lage, den FEEL-Prozess als Regelkreis zu leben. Das Erlernen des Loslassens ist für viele meiner Coachees der schwierigste Teil aus dem Grund, weil sie – bewusst oder unbewusst – nicht im Hier und Jetzt leben, sondern ihr Verhalten tagaus, tagein am Gestern und am Morgen spiegeln.

Wer aber sein heutiges Verhalten ständig mit dem was er getan hat, tun könnte, hätte tun können, würde tun können, tun wird oder wäre besser gewesen spiegelt, kann niemals alte und überwundene Grenzen loslassen. Das Spiegeln an Vergangenheit und Zukunft hält überwundene Grenzen aktuell und sorgt dafür, dass sie – trotz erster Überwindung – aktuell bleiben. Deshalb bildet der FEEL-Prozess das Loslassen gezielt aus.

Dies ist ähnlich wie beim Abnehmen. Viele Menschen nehmen durchaus erfolgreich ab, halten dann aber ihr neues Gewicht nicht. Der vordergründig einfache Grund hierfür ist die Tatsache, dass sie wieder beginnen mehr Kalorien zuzuführen, als der Körper verbrennen kann. Der wahre Grund dahinter ist aber, dass sie ihr altes Verhalten nicht losgelassen haben und bewusst oder unbewusst in den Regelkreis ihres alten Verhaltens wieder eintauchen. Wer Altes Altes sein lässt und Zukünftiges nicht erwartet, erlebt die Gegenwart und hat so die Möglichkeit sich mit seinem nun neuen Verhalten zu identifizieren.

Dies ist die Voraussetzung dafür, mit Glauben die Grenzen der Angst und Furcht zu entfernen und loszulassen. Wer nicht ständig oder wiederkehrend an gestern und morgen denkt, hat die Kraft das Heute zu gestalten und das Selbstbewusstsein zu entwickeln, JEDE Grenze überschreiten zu können. Das Sprichwort „Glaube kann Berge versetzen“ gilt erst recht für das eigene Handeln. Wer glaubt, es gibt für ihn oder sie keine Grenzen, findet ununterbrochen Lösungen für die Herausforderungen seines oder ihres Lebens. Er oder sie lebt mit diesem Mindset wirklich grenzenlos.

Wie gehst Du mit Grenzen um? Schreibe es mir bitte in den Kommentaren. Ein wichtiges anderes Thema, das aber zum heutigen Thema gut passt, findest Du in diesem Beitrag:

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